.

11.1 Individualverkehrsinfrastruktur
Straßen (heutige Situation)
In Nord-Süd-Richtung bilden die Bundesstraße 268 und die Autobahn A1 die Hauptverkehrsachse zwischen den nördlich des Rastpfuhls gelegenen Orten und der Kernstadt Saarbrücken. Die B 268 geht am Waldrand an der Einmündung der Hubert-Müller-Straße und des Lieserer Weges in die Autobahn A1 über.

Ende der Autobahn A1 auf dem Rastpfuhl
Abb. 11.1: Autobahnende A1 / Übergang in die Bundesstraße B 268 (Blick stadtauswärts nach Norden)

Die Landestraße Hubert-Müller-Straße verbindet – ebenfalls in Nord-Süd-Richtung – den Endpunkt der A1 mit dem Saarbrücker Stadtteil Burbach.
In Ost-West-Richtung werden die Rheinstraße zwischen Lebacher Straße/Pariser Platz und Hubert-Müller-Straße sowie auch die Rußhütter Straße vom Durchgangsverkehr genutzt, alle übrigen Straßen überwiegend vom Quell-/Ziel- und vom Binnenverkehr. Die Moselstraße, die Rußhütter Straße, die Straße Im Knappenroth und die östliche Rheinstraße sowie der Jenneweg dazwischen gelten dabei als Hauptsammelstraße.
Eine Karte mit allen Straßen auf dem Rastpfuhl ist im Kapitel 3. Lage und regionale Einordnung enthalten.

Die Lärm- und Schadstoffbelastung entlang der A1/B 268 insbesondere durch den Lkw-Verkehr ist enorm. Die Lkw-Verkehrsstärke (Lkw über 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht) liegt in der Kategorie 1.000 bis 1.999 Fahrzeuge pro Tag (24 Stunden), die der Hubert-Müller-Straße immerhin noch bei 500 bis 749 Lkw/24 h. Bei den Lkw über 7,5 Tonnen zählte Stadtteilverein “Malstatt gemeinsam stark” e.V am 29.06, 01.07. und 03. 07.2015 über 24 Stunden auf der Lebacher Straße im Durchschnitt über 800 Fahrzeuge.
Nicht zuletzt in Folge von Anwohner-Protesten haben Vertreter der Stadt Saarbrücken angekündigt, auf der Lebacher Straße zwischen Cottbuser Platz und Einmündung Rußhütter Straße eine Tempo-30-Zone einzurichten. Darüber hinaus fordert der Stadtteilverein „Malstatt - gemeinsam stark“ weiterhin ein Verbot für den Lkw-Durchgangsverkehr.
Zur Entlastung der Hubert-Müller-Straße forderte u.a. die Bürgerinitiative „Hubert-Müller-Straße und angrenzende Gebiete“ die Realisierung einer Verbindung („Verschwenkung“) der A1 zur A 623 (Grühlingstraße). Die Bürgerinitiative hat 2010 hat jedoch aufgegeben und sich aufgelöst. Die Verschwenkung wurde zwischenzeitlich in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen, s. Abschnitt "Planungen".
Für die Hubert-Müller-Straße wurde für den Lkw-Durchgangsverkehr ein Nachtfahrverbot (22 h bis 6 h) eingeführt.

Quellen:
Radwege
Radwege mit eigenem Fahrweg sind auf dem Rastpfuhl eher rudimentär vorhanden. Gut ausgebaut ist nur der Radweg entlang der Lebacher Landstraße und der anschließenden Autobahn A1 ab der Einmündung der Straße Am Rothenbüsch weiter bis Riegelsberg.

Wanderwege
Als Freizeit- und Wanderwege eignen sich alle Wege und Pfade im Wald nördlich des Wohngebiets. Am Waldrand am Ende der Straße Am Gilbenkopf ist ein beliebter Lauftreff. Dort beginnt auch der überregionale Nahe-Wanderweg.
Außerdem verläuft über den Rastpfuhl der Jakobsweg von St. Wendel zum Knotenpunkt Saarbrücken, s. Abb. 11.4. Der Weg wurde am Wochenende von 22. bis 24. Oktober 2010 mit einer Eröffnungswanderung eingeweiht.

Hinweistafeln Wanderwege Verlauf des Jakobsweges
Hinweisschild Naheweg
Abb. 11.2/11.3: Markierungen für Wanderwege am Ende der Straße Am Gilbenkopf
Abb. 11.4: Verlauf des Jakobwegs von St. Wendel nach Saarbrücken (höher aufgelöste Grafik, PDF-Datei 2,0 MB)

Quellen:

Geschichtliches
Straßen
Bereits zur Römerzeit führte am Rand des Gebiets des heutigen Rastpfuhls eine Straße, die neben der „Hauptstraße“ über Pachten entlang des Saartals Trier mit den früheren Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Saarbrücken verband [1]. Der Verlauf dieser Römerstraße entspricht in etwa dem jetzigen Verlauf der Hubert-Müller-Straße und der A1, s.a. Abb. 13.1 im Kapitel „Frühe Geschichte des Rastpfuhls“.
Diese Straße ist späteren Landkarten erst wieder ab dem Ende des 18. Jahrhunderts eingezeichnet, jedoch von untergeordneter Bedeutung.
Hingegen findet man „neueren“ Karten, die erst bei einer Entstehung ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts als genügend genau eingeschätzt werden, eine Straße von Malstatt (frühere Schreibweisen „Molstatt“, „Mohlstadt“ oder „Mahlstadt“) nach Norden Richtung Riegelsberg, die relativ genau mit dem Verlauf der heutigen B 268 und A1 übereinstimmt [2].
Im 19. Jahrhundert wird die heutige B 268 /A1 zwischen Malstatt und Riegelsberg als sogenannte „Kunststraße“ ausgebaut.   Für den „kunstmäßigen Ausbau“ gab es keine allgemeingültige Definition. In den Ortsdurchfahrten wurden die Straßen möglichst gepflastert, außerhalb mit den örtlich vorhandenen Rohstoffen gedeckt. In den Karten aus [3] wird der Ausbau der heutigen B 268 /A1 zwischen Malstatt und Riegelsberg für das Jahr 1822 noch als im Bau und erst im Jahr 1845 als fertig gebaut ausgewiesen. Da jedoch Chladni im Jahr 1826 in seinem Bericht über eine „eine merkwürdige meteorische Erscheinung“ [4] bereits die „Kunststraße gegen den Rastpfuhl“ zitiert, kann davon ausgegangen werden, dass die Straße zu diesem Zeitpunkt schon ausgebaut war.
Mit der Einführung der Nummerierung der Fernverkehrsstraßen im Jahr 1934 erhielt die Lebacher Landstraße zunächst die Nummer 51a, später die Nummer 268.
Im Jahr 1960 wurde die Lebacher Landstraße zwischen der Einmündung Rußhütter Straße und Riegelsberg vierspurig ausgebaut. Dabei wurde die anfangs starke Steigung zwischen der heutigen Saarbahn-Haltestelle „Siedlerheim“ und der Einmündung der Hubert-Müller-Straße durch einen Taleinschnitt ausgeglichen, vgl. Abb. 4.2 im Anschnitt Morphologie.

Lebacher Landstraße um 1940
größeres Foto (PDF-Datei, 900 kB)
Abb. 11.5:
Lebacher Landstraße um 1940;
Urheber unbekannt, Foto käuflich erworben

Lebacher Landstraße in den 1960er Jahren
Abb. 11.6:
Lebacher Landstraße in den 1960er Jahren

Anfang der 1990er Jahre wurde die innerstädtische Lebacher Straße zwischen der Parallelstraße und der Straße Rastpfuhl entsprechend dem „Neuen Saarbrücker Verkehrskonzept“ von 1989 zurückgebaut. Dabei wurden Parkbuchten angelegt und die Zahl der Spuren von 4 auf 2 verringert. [5]
Ende der 1990er Jahre wurden dann im Zuge des Baus der Saarbahn wurde die Lebacher Straße, die Straße Rastpfuhl und die Lebacher Landstraße erneut umgestaltet.
Bemerkenswert ist der späte Ausbau der westlichen Rheinstraße. Bis in die 1970er Jahren waren der Abschnitt zwischen der Lebacher Straße (Pariser Platz) und der Waldstraße und das Stück zwischen dem Rastpfuhl-Krankenhaus und der Hubert-Müller-Straße unbefestigt und voller Schlaglöcher. Die Zufahrt zum Krankenhaus erfolgte bis dahin über die Wald- oder über die Ahrstraße.
Über den Bau der Waldsiedlung Mitte der 1930er Jahre und den damit verbundenen Straßenbau wurde bereits im Kapitel 14 "Geschichte" berichtet. Die bis zum Ende des 2. Weltkriegs abweichenden Straßennamen und Bemerkungen zum  teilweise anderen Verlauf der Straßen sind in der Tabelle "Straßen und Plätze auf dem Rastpfuhl" enthalten, vgl. Kapitel 9 Flur- und Straßennamen.
Erwähnt seien hier besonders folgende Straßen, s.a. Abb. 11.7:
Straßen 1930er 
Abb. 11.7: Früherer Verlauf der Waldwege "Am Gilbenkopf" und "Rußhütter Straße und der Straße "Im Knappenroth"
                
(höher aufgelöste Grafik als PDF-Datei)

Bergmannspfad
Ein steiler Pfad zwischen dem Waldweg vom Gilbenkopf zur Nauwies und der heutigen Autobahn A1 wurde im Volksmund als Bergmannspfad bezeichnet. Bergmannspfade sind die oft sehr langen Wege, die die Bergleute früher von ihrer Wohnung zum Arbeitsplatz benutzten.  In älteren Karten, z.B. in [6], ist dieser Weg im Rastpfuhler Wald eingezeichnet und als solcher bezeichnet. An den "Sieben Eichen" setzte sich der Bergmannspfad fort und führte weiter nach Von-der-Heydt.[9]

Bergmannspfad
Abb. 11.8: Früherer Verlauf eines Bergmannspfades im Rastpfuhler Wald


Quellen:

  1. Kolling, Alfons: Das römische Saarbrücken. Hrsg. : Staatliches Konservatoramt, 1964
  2. Koehl, Peter: Saarbrücken auf alten Landkarten. Verlag Walsheim, Edition Europa, 1999 ISBN: 978-3931773229;
    sowie diverse Reproduktionen von historischen Landkarten und Stadtplänen
  3. Fischer, Gert: Wirtschaftliche Strukturen am Vorabend der Industrialisierung : der Regierungsbezirk Trier 1820 – 1850. Dissertation an der Universität Bonn, 1988/89. ISBN: 3-412-16989-7
  4. Chladni, E.F.F.: Ueber eine merkwürdige meteorische Erscheinung, am 1. April 1826, nicht weit von Saarbrücken. Annalen der Physik, Bd. 83 (Jg. 1826), Stück 3/IX; S. 373ff.
  5. Wittenbrock, Rolf: Geschichte der Stadt Saarbrücken. SDV Saarländische Druckerei und Verlag, Saarbrücken 1999,
    ISBN 978-3-930843-41-1, Band 2: Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur Gegenwart
  6. Messtischblatt 1932/33
  7. Stadt-Durchfahrtskarte aus B. V.-Aral-Karte, 1936
  8. Straßenkarte Blatt 36 Saarbrücken, Maßstab 1 : 500.000, Bibliographisches Institut AG Leipzig, 1936 - 1945
  9. Grande, Wilhelm: 150 Jahre „Sieben Eichen“. In: Saarbrücker Zeitung. Ausg. А 1961, Nr. 218 v. 21. 9.1961

Weitere Informationen zum Begriff der  "Kunststraße":

Planungen
Reichsautobahn Abschnitt Kaiserslautern - Saarbrücken - Völklingen
Bereits in den 1920er Jahren plante die 1924 gegründete "Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau (kurz: STUFA)" den Bau einer "Kraftwagenstraße" zwischen Mannheim  und Saarbrücken über Kaiserslautern.  Der Vorentwurf vom März 1926 zeigte einen Verlauf der Straße nördlich der Stadt Saarbrücken weiter Richtung Völklingen. Die Autobahn sollte bereits im ersten Bauabschnitt realisiert werden, s. dazu Grafik auf Autobahnatlas online.[2] - [4]
Bekanntlich wurden die Planungen nicht realisiert. Bis zum Jahr 1940 wurde lediglich ein Teilstück von Kaiserslautern bis zur Rheinebene fertig gestellt. Der Grund dafür, dass der Bau des Abschnitts Kaiserslautern - Saarbrücken zurückgestellt wurde, lag in der Priorisierung des Baus des Westwalls und in der Befürchtung, dass "im Falle eines französischen Angriffs Frankreich damit eine schnelle Straßenverbindung für einen Vorstoß an den Rhein zur Verfügung stünde".[5]
Aus der "Karte des Gaues Saarpfalz und benachbarter Gebiete" von 1938 geht ein genauerer Verlauf der Planungen hervor:

Planungen RAB 1940
Abb. 11.8: Geplanter Verlauf der Reichsautobahn Mannheim-Saarbrücken im Abschnitt St. Ingbert - Rastpfuhl,
                  Stand 1940, Nordvariante (höher aufgelöste Grafik als PDF-Datei)
 
Alternativ zu der im Bild dargestellten Nordvariante gab es Planungen, die Autobahn südlich an Saarbrücken vorbei und weiter durch den Warndt zu führen. Südlich des Saarbrücker Flughafens, der sich damals auf den St. Arnualer Wiesen befand, sollte ein Kleeblatt-Autobahnkreuz mit Anschluss nach Saarbrücken-Ost und südlich von Gersweiler die Anschlussstelle Saarbrücken-West entstehen. Bis zur Höhe der heutigen Anschlussstelle Goldene Bremm entsprach der geplante Verlauf in etwa der später realisierten BAB A6.[6]-[8]
            
Quellen:

Verschwenkung der Bundesautobahn (BAB) A1 zur A623
Seit den 1990er Jahren wird eine Verschwenkung der BAB A1 nach Osten als Verbindung zur BAB A623 diskutiert, die aber nach Aussage des Stadtplanungsamtes im Jahr 1995 "auf absehbare Zeit nicht kommen" würde. Während aus verständlichen Gründen die Verschwenkung von der Bürgerinitiative „Hubert-Müller-Straße und angrenzende Gebiete“ begrüßt wurde, lehnt die Bürgerinitiative Rußhütte den Bau der favorisierten Variante aus ebenso verständlichen Gründen ab.
2016 wurde die Verschwenkung als "neues Vorhaben" mit der Projekt-Nummer A001-G10-SL in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen.  Das Projekt wird dabei in die Dringlichkeitsstufe "Weiterer Bedarf mit Planungsrecht (WB*) eingestuft. Das bedeutet entsprechend den Erläuterungen im Bundesverkehrswegeplan, dass dem Projekt "ein grundsätzlicher verkehrlicher Bedarf zugeschrieben wird,  dessen Investitionsvolumen jedoch den voraussichtlich bis 2030 zur Verfügung stehenden Finanzrahmen überschreitet." "Den Auftragsverwaltungen der Länder" wird zugebilligt, "die Projektplanung für die Maßnahme aufnehmen".
Der Stadtrat der Stadt Saarbrücken hat das Projekt jedoch schon mehrmals abgelehnt und favorisiert stattdessen eine Querverbindung zwischen Riegelsberg und Herrensohr.[4]

Planung Verschwenkung A1 A623
Abb. 11.9:
Verlauf der Verschwenkung entsprechend Bundesverkehrswegeplan, Projekt-Nummer A001-G10-SL
                  (höher aufgelöste Grafik als PDF-Datei)

Der Projektsteckbrief im Bundesverkehrswegeplan enthält folgende Rahmendaten, die in der Vorplanung ermittelt wurden:
Da die Trasse ein längeres Stück durch ein FFH (Fauna-Flora-Habitat)- und Landschafts- und Vogelschutzgebiet führt, sind entsprechende Verträglichkeitsprüfungen durchzuführen.

Quellen:

                 










Startseite Kontakt Seitenanfang